Kritik, die ankommt - ohne zu verletzen

Marc T. explodiert, als er die Unterlagen, die sein Mitarbeiter vorbereitet hat, durchsieht: „Das ist mal wieder typisch. Schon wieder ist in der Kalkulation ein Fehler. Haben Sie das nicht gesehen? Das geht ja gar nicht!“

Kritik muss niemanden klein machen. Wenn Sie sie gut anbringen, dann haben alle etwas davon. © fotolia-pathdoc

Marc T. ist seit 6 Monaten Vertriebsleiter, seine erste Führungsposition startete er mit viel Elan und den besten Vorsätzen. Und mit dem Wissen, dass das Team eigentlich fest davon ausging, dass einer der Kollegen die Position bekommt und man sich nicht wirklich auf den jungen Chef von außen freute…

„Mensch, da habe ich wirklich alles falsch gemacht“, erzählt er mir später im Coaching. „Von konstruktiver Kritik nichts zu sehen, was ich meinem Mitarbeiter vorgeworfen habe, das war einfach nur verletzend. Mir ist schlichtweg der Kragen geplatzt.

Kritisieren, ohne zu verletzen, wie geht das?

Viele von uns neigen dazu, Dinge, die uns ärgern erst einmal in sich hineinzufressen, weil wir den offenen, lauten Konflikt scheuen. Aber muss ein Konflikt immer laut und destruktiv sein? Gerade Menschen in Führungspositionen müssen ihre Forderungen oder Kritikpunkte deutlich aussprechen – und zwar so, dass ihre Botschaft für die Mitarbeiter klar, aber auch angemessen herüberkommt. Das Ziel ist ja schließlich ein Klima, in dem man gerne zusammenarbeitet und aus Fehlern gemeinsam lernt. Das Nichtansprechen führt dazu, dass sich immer mehr anstaut – und dann explodieren wir oft auch ungewollt.

Das sollten Sie im Vorfeld eines Kritik-Gespräches beachten:

Bereiten Sie sich gut vor und überlegen Sie sich genau, was Sie mit dem Gespräch erreichen wollen und wie Sie das so formulieren, dass es bei Ihrem Gegenüber gut ankommt. Machen Sie sich außerdem Gedanken zum geeigneten Zeitpunkt und Ort. Nach einem anstrengenden Kundengespräch hat auch der beste Mitarbeiter nicht die Nerven, Ihnen gut zuzuhören – und vor Kollegen oder sogar Kunden möchte ebenfalls niemand zur Rede gestellt werden.

Hilfreich: Die 3 W-Regel: Wahrnehmung, wunder Punkt und Wunsch

  • Sprechen Sie an, was Sie wahrnehmen – Worum genau geht es? Welches Verhalten finden Sie störend?

In Marc T. s Fall also vielleicht: „Ich habe mir vorhin Ihre Kalkulation angesehen. Da ist ein Fehler drin. Leider war das in den letzten zwei Monaten schon häufiger so…“

  • Beschreiben Sie dann Ihren wunden Punkt, erklären Sie, worum es Ihnen dabei geht und was genau Sie geärgert hat.

„Ich wollte die Kalkulation gleich in ein Gespräch mit der Geschäftsleitung mitnehmen. Es ist wichtig, dass ich hier die richtigen Zahlen habe. Schließlich möchte ich unsere gemeinsame Arbeit auch gut darstellen. So musste ich nochmal nachrechnen und konnte meine anderen Vorbereitungen nicht sorgfältig beenden."

  • Und schließlich formulieren Sie, was Sie sich künftig wünschen: Was soll sich genau ändern, was möchten Sie ganz konkret von Ihrem Mitarbeiter?

„Ich möchte, dass Sie sich überlegen, wie wir eine solche Situation in Zukunft vermeiden können. Sagen Sie mir, wenn Sie zum Beispiel mehr Zeit dafür brauchen, Sie gerade zu viele andere Aufgaben haben oder es hier einfach Sinn macht, dass auch noch einmal einer Ihrer Kollegen nachrechnet.“

Marco T. nimmt sich vor, sich gleich morgen bei seinem Mitarbeiter zu entschuldigen und das Thema noch einmal konstruktiv anzugehen. „Und in der nächsten Teamsitzung sprechen wir über eine gute Fehlerkultur und wie wir alle etwas Sinnvolles davon haben, wenn mal was schiefgeht…“

Wie geht es Ihnen, wenn Sie Kritik anbringen möchten? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Wenn Sie Ihre Gedanken mit mir teilen möchten, schreiben Sie mir an mw@manuela-weinand.de    

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