Mut zum Konflikt

Anna und Julia kennen sich seit ihrem Designstudium. Gemeinsam haben sie vor fünf Jahren ein Geschäft gegründet, hier verkaufen sie selbstdesignte und zugekaufte außergewöhnliche Wohnaccessoires. Seit drei Jahren betreiben sie zusätzlich erfolgreich einen Onlineshop. Das Unternehmen fordert großen Einsatz, gleichzeitig haben beide inzwischen auch eine Familie gegründet. Die vielen Aufgaben werden zunehmend anstrengender, das gemeinsame Arbeiten gestaltet sich immer wieder schwierig. Immer wieder hat eine der beiden das Gefühl, mehr zu leisten als die andere. Für Gespräche ist immer weniger Zeit, jede ist schnell genervt. Um einfach einmal wieder einen klaren Blick auf sich und ihr Unternehmen zu bekommen, entschieden sich die beiden für ein Coaching bei mir.

Gefangen im Konflikt? So kommen Sie einer konstruktiven Lösung näher... © fotolia Uryadnikov Sergey

Wer zusammen arbeitet, der streitet auch mal

Wenn Menschen zusammenarbeiten, sich Aufgaben teilen, miteinander Probleme lösen und gemeinsam Ziele erreichen wollen, dann entstehen auch immer einmal wieder Konflikte. Das ist ganz normal. Jeder Konflikt kann aber auch eine Chance zur Veränderung sein. Denn im Konflikt liegt fast immer großes Potential, sich weiter zu entwickeln, neue Lösungen zu finden und so die Zukunft besser zu gestalten.

Jeder Konflikt ist erstmal unangenehm

Wenn uns etwas stört oder verärgert, wenn wir das Gefühl haben, jemand hat einen Fehler gemacht oder verhält sich irgendwie seltsam, fällt es oft schwer, das anzusprechen. Manchmal gewinnen in solchen Situationen auch unsere Emotionen die Überhand.  Wir vergreifen uns im Ton, werden vorwurfsvoll oder verletzend, wir verallgemeinern - sachlich bleiben geht nicht mehr. Das passiert vor allem, wenn wir Konflikte schwelen lassen. Wir werden dadurch immer misstrauischer und unsachlicher.  Wir vermuten mehr, als eigentlich hinter dem Problem, dem Verhalten steckt. So wird eine Meinungsverschiedenheit oder auch nur ein unterschiedlicher Wissensstand schließlich zum handfesten Streit.

Und was dann kommt, das kennen wir alle: Dann machen wir unserem Ärger Luft, gerne mit Vorwürfen oder auch mit verallgemeinernden Du-Botschaften: „Du hast ja schon immer …“  Das haben auch Anna und Julia erlebt und das ändern wir gerade gemeinsam.

Was denn ein Konflikt eigentlich?

Häufig nur zwei unterschiedliche Meinungen – und jeder erwartet dann vom Anderen, dass dieser seine Position verändert. Mangelnde Kommunikation führt dann erst recht zum Streit. Es bleibt unklar, was der andere von uns erwartet, wir interpretieren etwas in Dinge hinein, wir bekommen eine Aussage „in den Falschen Hals“ und versäumen es, nachzufragen oder zu klären.

Der erste Schritt zur Lösung: Zuhören und wirklich verstehen

Schnell passiert in einem Gespräch dann Folgendes: Unser Konfliktpartner setzt an, beginnt zu erzählen. Wir fangen an nachzudenken und formulieren automatisch schon jetzt eine Antwort im Kopf, anstatt richtig zuzuhören. Das, was der andere sagt, kann so gar nicht mehr richtig ankommen.  Mal ehrlich, das kennen Sie auch!

In der Mediation stelle ich immer wieder fest: Geschwindigkeit reduzieren  und sicherzustellen, dass die Argumente des anderen wirklich ankommen, hilft da ungemein: Lassen Sie Ihr Gegenüber ausreden, wiederholen Sie das Gesagte mit Ihren Worten und fragen Sie nach: „verstehe ich das richtig, dass du…“, „ich habe verstanden, Dir ist wichtig…“, „Dich hat geärgert, dass…“

So stellen Sie sicher, dass Sie wirklich verstehen und können Missverständnisse sofort ausräumen.

Verständnisfragen sind ein perfektes Werkzeug zum gemeinsamen Erarbeiten einer Konfliktlösung

Anschließend können Sie gemeinsam überlegen: Was wünscht sich jeder vom anderen, was kann jeder für ein konstruktives Gesprächsergebnis tun?

Und am besten: Verabreden Sie sich für ein weiteres Gespräch mit etwas zeitlichem Abstand und klären Sie miteinander, ob das Besprochene funktioniert und was sich schon verbessert hat.

Anna und Julia hat es sichtlich gut getan, sich einmal wieder viel Zeit zum Zuhören zu nehmen: Gemeinsam haben wir viele Möglichkeiten zur Entlastung beider gesammelt. Diese wollen sie anschließend in Ruhe prüfen. „Und das Wichtigste für uns Beide ist: Unser „Mädelsabend“ zu zweit bekommt wieder einen festen Platz im Kalender. Denn zusammen gute Ideen entwickeln und Spaß haben – das ist unsere Stärke“, freuen sie sich. 

Wie schaffen Sie es, etwas anzusprechen, das Sie stört? Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht? Wenn Sie Ihre Ideen mit mir teilen möchten, dann schreiben Sie mir an mw@manuela-weinand.de

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