Sagen Sie, was Sie wirklich wollen! Wie Sie mit guter Kommunikation mehr erreichen und Missverständnisse vermeiden.

Reden Sie manchmal, wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist? Und stoßen Sie dabei gelegentlich auf taube Ohren? Immer, wenn Menschen miteinander kommunizieren, tun sie das auf verschiedenen Ebenen. Wenn wir wollen, dass unsere Botschaften gut ankommen, ist es wichtig, dass wir diese verschiedenen Ebenen kennen – und auch nutzen!

Kommt das, was Sie sagen auch so an, wie Sie es meinen? ©fotolia sergey_nivens

Ein ganz normaler Montag…

7:30 Uhr - Claudia kommt in die Teeküche ihrer Firma und stellt fest: „Hier steht ja noch das ganze Geschirr vom Seminar am Wochenende herum.“ Ihre Kolleginnen tauschen gerade kichernd Wochenenderlebnisse aus. Claudia räumt die Spülmaschine ein.

12:00 Uhr - Claudia: „Oh je, da sind aber eine Menge Bestellungen hereingekommen. Die müssen heute alle noch raus an den Versand.“ Ihre Kolleginnen gehen in die Mittagspause. Claudia beginnt, die Bestellungen zu bearbeiten.

17:00 Uhr - Claudia, am Telefon zu Ihrem Mann: „Du, war noch Milch im Kühlschrank?“ Er antwortet: „Nein, die musst Du auf jeden Fall später mitbringen. Wir sehen uns - ich gehe noch zum Sport.“ Claudia geht Milch kaufen.

Auf dem Heimweg denkt Claudia über den Tag nach. Sie ist unzufrieden und ärgert sich: "Immer bin ich die Dumme. Alles bleibt an mir hängen. Dabei habe ich doch gesagt, wie es mir geht, was mir wichtig ist und was ich brauche…“

Was meinen Sie? Hat sie das wirklich so gesagt? Nehmen wir uns doch einmal einen Klassiker von Friedrich Schulz von Thun zur Hilfe - das Kommunikationsquadrat:

Jede Nachricht hat vier Seiten

Dieses Modell geht davon aus, dass jede Aussage vier verschiedene Ebenen beinhaltet, wir reden immer mit 4 „Schnäbeln“:

Die Sachebene

Hier geht es und den einfachen Inhalt: Claudia und auch ihre Kolleginnen können sehen: In der Teeküche steht viel Geschirr.

Die Beziehungsebene

Mit jeder Aussage und der dazugehörigen Mimik, Gestik und dem Tonfall sagen wir auch etwas über die Beziehung zu unserem Gegenüber: Claudia ist genervt, dass keiner aufräumt hat, sie ärgert sich über ihre Kolleginnen.

Die Ebene der Selbstkundgabe

Auch über uns selbst sagen wir so einiges. In unserem Beispiel vielleicht: Ich kann so eine Unordnung nicht ausstehen, ich fühle mich verantwortlich…

Die Apell-Ebene

Sie zeigt, was wir beim anderen erreichen wollen, welchen Wunsch wir an ihn haben, wozu wir ihn auffordern.

Jeder Empfänger hört eine Nachricht mit 4 Ohren

Schließlich wird das Ganze noch etwas komplizierter, denn auch ein Zuhörer nimmt eine Botschaft auf vier verschiedenen Ebenen, also quasi mit 4 „Ohren“ wahr.

Die Sachebene

Das Gehörte wird geprüft: Stimmt das? Dieser Aspekt ist meistens nicht so kompliziert – auch Claudias Kolleginnen sehen das herumstehende Geschirr.

Die Beziehungsebene

Hier zeigt es sich, wie sich Sprecher und Hörer gerade einschätzen: Vielleicht fühlt sich eine der Kolleginnen gerade bevormundet und denkt „Mensch, ich hätte das doch gleich gemacht, das muss sie mir doch nicht extra sagen “, während die andere keinerlei Verständnis hat: „Also, da braucht sie sich doch nicht aufregen, dafür sind wir hier wirklich nicht zuständig. Ich rufe mal beim Küchenteam an… “

Die Ebene der Selbstkundgabe

Wir hören darauf, was mit dem anderen gerade los ist und deuten das für uns. Die Kolleginnen hören vielleicht: „Aha, so richtig erholt kommt Claudia wohl nicht aus dem Wochenende.“ Vielleicht aber auch: „Sie wird das Geschirr sicher wegräumen, dann kann ich ja schon mal was Anderes machen.“

Die Apell-Ebene

Das Apell-Ohr versucht, herauszuhören, welche Aufforderung an den Zuhörer hinter einer Nachricht steckt. Im besten Fall hören Claudias Kolleginnen, dass sie ihr helfen sollen, das Geschirr wegzuräumen… 

Vier Schäbel – vier Ohren – da ist viel Spielraum für Missverständnisse

Im Alltag achten wir häufig nicht so genau darauf, wie wir unsere Botschaften formulieren. Außerdem hört auch unser Gegenüber nicht immer auf allen Ohren gleich gut. Inhaltlich gleiche Nachrichten können deshalb ganz unterschiedlich ankommen. Enttäuschungen, Missverständnisse und Ärger sind so vorprogrammiert. Der eine nimmt schnell alles persönlich und fühlt sich missachtet oder angegriffen, der andere hört in allem eine Aufforderung und meint, immer gleich handeln zu müssen.

Gute Kommunikation, das heißt: Klare Botschaften – und aufmerksames Zuhören

Wenn Claudia zu ihren Kolleginnen in der Teeküche also sagt: "Ich habe in einer halben Stunde eine Besprechung mit einem Kunden und muss mich noch kurz vorbereiten. Ich zeige ihm auch unsere Räume und brauche eure Unterstützung. Räumt Ihr bitte das Geschirr auf?", sagt sie viel deutlicher, was sie will. Und mit der Antwort: „Na klar, machen wir. Und in der Mittagspause erzählen wir Dir dann, was wir Aufregendes vom Seminar am Wochenende gehört haben – Du wirst staunen!" kann sie eigentlich auch ganz gut leben.

Machen Sie sich das Kommunikationsquadrat im Alltag immer wieder einmal bewusst!

Was sagen Sie genau, wenn Sie mit Mitarbeitern, Kollegen oder Kunden sprechen? Kommen Ihre Botschaften klar an? Woran können Sie noch feilen?

Und was nehmen Sie von anderen wahr? Nehmen Sie sich die Zeit, gut hinzuhören? Welches Ihrer Ohren sollten Sie vielleicht mehr aufsperren?

Welche Erfahrungen haben Sie mit guter und mit schlechter Kommunikation gemacht? Ich freue mich, wenn Sie Ihre Gedanken mit mir teilen. Sie erreichen mich hier: beratung@manuela-weinand.de

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