Soll ich oder soll ich eher nicht? Gute Entscheidungen treffen, das geht auch ganz unkonventionell!

Manchmal weiß man einfach nicht, was man will

Susanne K. ist Wirtschaftsjuristin, nach ihrem Studium arbeitete sie drei Jahre in der Zentrale eines internationalen Konzerns in Hamburg. Dann lernte sie ihren jetzigen Mann kennen, beide entschieden sich relativ schnell dafür, eine Familie zu gründen. Nachdem der erste Sohn geboren war, bekam Susannes Mann von seinem Arbeitgeber das Angebot, für 3 Jahre nach Mexiko zu gehen. Susanne war begeistert, sie war als Schülerin bereits ein Jahr in den USA, während des Studiums ein Semester in Spanien – im Ausland – das hatte ihr immer gefallen. Während dieser Zeit bekam die Familie das zweite Kind – und dann ein weiteres Angebot: 3 Jahre in China… .

Das wäre vielleicht keine so gute Idee... Kreative Entscheidungsfindung durch negative Abgrenzung. © fotolia Wordley Calvo Stock

... Für Susanne war klar, das mit der Stelle in Hamburg, das wird nichts mehr. Und nach der Rückkehr aus dem Ausland verschlug es die Familie nun nach Süddeutschland. Die Kinder sind jetzt 10 und 8 Jahre alt und besuchen eine Ganztagsschule. Und Susanne will unbedingt wieder beruflich loslegen: „Mein Problem ist, dass ich so gar nicht weiß, wo es beruflich hingehen soll. Ich habe eine gute Ausbildung, spreche mehrere Sprachen, ich würde auch gerne noch was dazulernen. Aber ich bin jetzt 10 Jahre raus – und mir fehlt die Idee, was ich eigentlich noch kann. Und ich weiß überhaupt nicht, was ich machen will.“

Wenn kein Vorschlag passt, dann sagt das auch schon etwas

Im Business Coaching erzähle ich ihr ganz bewusst von einer alteingesessenen Kanzlei hier in der Umgebung. „Was, nur 8 Mitarbeiter und hauptsächlich Vertragsrecht? Das ist nichts für mich, ich brauche etwas Leben um mich herum – und auch Abwechslung.“ Mir fällt auch noch einen Behörde ein, von der ich weiß, dass gerade eine Juristin in Teilzeit gesucht wird: „Ne, also unter Beamten – auf keinen Fall, da geht alles so schrecklich langsam, und Teilzeit nach meiner langen Pause? Da verspiele ich dann ja auch die letzten Chancen, noch Karriere zu machen – das geht mir viel zu langsam.“

Ich schmunzle – denn wir kommen der Sache durch negative Abgrenzung schon deutlich näher… Wir Menschen wissen eben öfter, was wir nicht wollen, als das, was wir wirklich wollen.

Das Nicht-Passende suchen – eine gute Methode, wenn Entscheidungen schwer fallen….

Ich schlage Susanne K. vor:  „ Lassen Sie uns mal alles sammeln, was für Sie nicht in Frage kommt! “ Gemeinsam malen wir uns ihren Höllenjob so richtig aus und sammeln die Antworten:

  • In welcher Art von Betrieb will ich auf keinen Fall arbeiten? Was genau wäre so schlimm daran?
  • Welcher Arbeitsort wäre für mich der schlimmste, den ich mir vorstellen könnte?
  • Welche Tätigkeiten und Aufgaben wären wirklich undenkbar für mich? Und was genau wäre jeweils so schlimm an diesen Tätigkeiten und Aufgaben?
  • Welche Branche kommt für mich wirklich nicht in Frage?
  • Wie sähen die schlechtesten Arbeitszeiten aus?
  • Welche Art von Entlohnung wäre für mich die schlimmste, die ich mir vorstellen kann?
  • Wie wäre der schrecklichste Chef, welche Kollegen würden mir das Leben wirklich zur Hölle machen?

Etwas negativ abgrenzen, das ist oft richtig zielführend

Diese Liste lässt sich für die berufliche Entscheidungsfindung endlos fortspinnen. Für andere Entscheidungen brauchen Sie natürlich andere Fragen. Aber immer funktioniert negative Abgrenzung so, dass wir erst einmal die schlechteste Lösung suchen und herausfinden, warum diese so schlecht ist. Dadurch wird dann vieles klarer.

Häufig zeigt sich schon durch deutliche Emotionen, warum etwas für einen nicht passt, denn gedanklich werden alte Erfahrungen erforscht und bewertet. Und dann liegt auch die Lösung schon ganz nahe, nämlich in der Frage: „Wenn das auf keinen Fall geht, wie sieht denn dann das genaue Gegenteil davon aus?

Die Lösung steckt im Gegensatz

Susanne K. weiß jetzt schon: Sie möchte nicht wieder in einem Konzern arbeiten, sie fühlt sich in einem mittelständischen Unternehmen wohl, möchte keine stetig wiederkehrenden Aufgaben, sondern Aufgaben, die abwechslungsreich sind. Sie möchte mit motivierten Kollegen an interessanten Projekten arbeiten – und sie will sich auf jeden Fall auch noch beruflich weiterentwickeln und traut sich auch eine Führungsaufgabe zu. Unter diesen Vorgaben werden wir in den nächsten Wochen weiter miteinander arbeiten…

Und Sie? Kennen Sie die negative Abgrenzung schon und wie nutzen Sie sie? Welche Farbe soll Ihr neuer Schreibtischstuhl haben? Auf keinen Fall gelb? Wie sieht die am wenigsten erholsame Mittagspause aus, die Sie sich vorstellen können?

Probieren Sie einmal gezielt aus, was wirklich gar nicht geht, wenn Sie vor einer Entscheidung stehen…  . Wenn Sie Ihre Gedanken mit mir teilen möchten, dann freue ich mich über Ihre Email an mw@manuela-weinand.de

 

 

zurück