Wenn es plötzlich kracht… Was ein Eisberg mit guter Kommunikation zu tun hat

Wir alle kennen das: Eine kleine Bemerkung, ein falscher Blick, und plötzlich reagieren wir beleidigt, fühlen uns verletzt oder sind zornig. Hinter jeder Kommunikation steckt deutlich mehr, als es uns im Alltag bewusst ist – denn immer kommunizieren wir sowohl auf der Sach- als auch auf der Beziehungsebene. Und wie bei einem Eisberg, der nur zu etwa einem Siebtel über der Wasseroberfläche zu sehen ist, spielt sich auch in unserer Kommunikation eine ganze Menge unter der Wasseroberfläche ab.

„Na klar, Schatz – bei dem Wetter. Ich hau hier heute pünktlich ab und bin viertel nach Sechs im Straßencafé. Ich freu mich!“ Sabine legt vergnügt den Hörer auf. Plötzlich hört sie, wie ihre Kollegin Anna laut eine Schublade zuwirft, als sie sich umdreht, blickt sie in ein wütendes Gesicht….

Sabine und Anna betreiben seit einigen Jahren gemeinsam ein Geschäft für Kinderschuhe in der Fußgängerzone ihrer Stadt. Sie haben ein gutes Händchen für die Zusammenstellung ihres Angebots, beide sind echte Beratungsprofis, der Laden sieht toll aus – mit viele Liebe haben sie ein Geschäft aufgebaut, dass auch in Zeiten von Internet und Discountern gut läuft.

Außerdem ergänzen sie sich bestens: Sabine hat den Laden mit vielen guten Ideen eingerichtet – Kinder lieben die von ihr geplante Spielecke und für das Schaufenster fällt ihr immer wieder etwas Besonderes ein. Anna hingegen ist eine Zahlenfrau, sie führt zähe Verhandlungen mit den Großhändlern und hat auch die Buchhaltung immer im Griff.

Was aber ist da vorhin passiert, als Anna Sabines Telefongespräch hörte? Versuchen wir das Ganze einmal zu verstehen, und nehmen dazu das Eisbergmodell zu Hilfe:

Über der Wasseroberfläche

Die Sachebene

Dies ist die Ebene der Kommunikation, der wir uns immer bewusst sind. Hier geht es um Worte, Zahlen, Fakten und inhaltliche Standpunkte.

Anna hat also gehört, dass Sabine heute pünktlich geht, um sich mit ihrem Freund zu treffen.

Unter der Wasseroberfläche

Die Beziehungsebene

Wie bei einem Eisberg 6/7 des Eises unter Wasser sind, spielt sich ein Großteil unserer Kommunikation unbewusst ab – unser Gesprächspartner kann diese Ebene zuerst einmal nicht sehen. Wir bringen Gefühle mit, Werte, Ängste und Motive, wir haben „alte Erfahrungen“ im Gepäck, Kränkungen, Ärger, aber natürlich auch Dinge, die uns Mut oder Zuversicht geben.

Anna hat sich offensichtlich darüber geärgert, dass Sabine gleich nach Ladenschluss gehen will. Sie selbst ist heute extra früher gekommen, um eine Lieferung anzunehmen, im Laden war viel los, noch nichts davon ist ausgepackt und ausgezeichnet – und eingeräumt werden müssen die Schuhe ja auch noch. Bei dem wunderbaren Wetter gerade sollte eigentlich auch gleich das Schaufenster umdekoriert werden – so dass jeder sieht, dass tolle neue Sandalen gekommen sind… Sie hat eine ganze Liste an Dingen im Kopf, die heute noch gemacht werden müssten.

Und irgendwie erinnert sie das Ganze gerade auch an Früher: Als ältere Schwester mit drei kleinen Brüdern war das auch schon immer so: Nie konnte sie los ins Freibad, wenn ihre Hausaufgaben fertig waren. Immer musste sie noch den Kleinen helfen, und oft war es dann zu spät für einen fröhlichen Sommertag draußen.

Wenn sich ein Konflikt abzeichnet

Was können Sabine und Anna nun tun, wenn sie beide merken- hier knirscht es gerade?

1. Kurz innehalten und überlegen: Was ärgert oder verletzt mich gerade? Was hat das mit dem zu tun, was gerade passiert ist? Was hat vielleicht auch mit mir zu tun, mit meiner unbewussten Ebene?

2. Miteinander reden: Welche sachlichen Gründe gibt es für die Missstimmung? Was ist für mich gerade von Bedeutung? Was für den anderen?

Hier hilft es, sich ausreden zu lassen und einander zuzuhören und statt in Vorwürfe zu verfallen. Aussagen wie „Du lässt mich hier mit der ganzen Arbeit sitzen“ machen die Situation nur schlechter. Nutzen Sie lieber Ich-Botschaften: „Ich sehe, hier ist noch viel zu tun. Ich kann das nicht alles alleine machen. Ich brauche dafür Deine Unterstützung“.

3. Eine Lösung suchen: Wenn beide Gesprächspartner verstanden haben, was im anderen vorgeht, ist es oft nur ein kleiner Schritt bis zur Lösung – gar nicht so selten haben beide schon gute Ideen…

Sabine schlägt Anna vor: „Du, lass uns doch heute gemeinsam auf unseren Sommer anstoßen, komm nachher gleich mit auf einen Prosecco in der Sonne, das tut Dir doch auch gut. Da machen wir uns dann ein paar Gedanken zum Schaufenster, und ich komme morgen schon ganz früh und räume um…

Welche Erfahrungen haben Sie in ähnlichen Situationen gemacht?
Ich freue mich, wenn Sie Ihre Gedanken mit mir teilen. Sie erreichen mich hier: beratung@manuela-weinand.de

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