Wie sage ich das bloß? – Konflikte am Arbeitsplatz

Folgendes ist Ihnen sicher auch schon passiert: Eine Bemerkung Ihres Vorgesetzten oder eines Kollegen hat Sie gekränkt, Sie fühlen sich kritisiert oder ungerecht behandelt. Sie denken über diesen Kommentar nun schon eine ganze Weile nach und beschließen: Ich muss das Ganze noch einmal ansprechen. Aber wie machen Sie das am Besten? Eine Nachricht hat vier Seiten!

Streit am Arbeitsplatz- schauen Sie sich nur noch mit dem Rücken an oder ziehen Sie an einem Strang!

In der letzten Woche berichtete ich Ihnen vom Coaching-Termin mit meinem Kunden Carsten S.. Er war verärgert über einen Kommentar seines Chefs: Mit einem "Wurde aber auch Zeit" hatte er sich den Bericht gegriffen, an dem Carsten S. das ganze Wochenende intensiv gearbeitet hatte und war gegangen. Nicht nur, dass Herr S. wirklich erwartet hatte, dass sein Chef seine Leistung anerkennt und sich bedankt, nein – dazu kommt, dass der Kommentar vor allen Kollegen, sozusagen vor Publikum, erfolgte. Er hatte sich sehr geärgert und wir entscheiden im Coaching, dass es wichtig ist, mit seinem Vorgesetzten noch einmal über die Situation zu sprechen. 

Carsten S. fällt das nicht leicht. Beide kennen sich nicht so gut, und im Kopf hat er eine ganze Reihe von Vorwürfen, aktuelle, aber auch einige aus der Vergangenheit, eine Art innere Vorwurfsliste. Wir sprechen deshalb über Ich-Botschaften: Mit diesen kann er seine Sichtweise so darstellen, dass es nicht zum Streit kommt und dass sein Chef ihn versteht. Hilfreich ist es hier, sich bewusst zu machen, dass jede Nachricht vier Seiten hat und Sie eine Botschaft dementsprechend klug vorbereiten können.

1. Die Fakten: Was ist passiert?

Schildern Sie Ihrem Gegenüber sachlich, aber auch konkret, wie Sie die Situation erlebt haben. Herr S. könnte zum Beispiel sagen:

„Ich habe den Auftrag für die Dokumentation des Projektes Anfang letzter Woche von Ihnen erhalten. Ich habe bis Mittwoch nonstop daran gearbeitet, dann haben Sie mir noch Teilaufgaben eines anderen Projektes übertragen, das habe ich sofort fertiggestellt. Für mein Projekt habe ich zusätzlich das ganze Wochenende gearbeitet und sogar einen Streit mit meiner Frau gehabt. Ich habe heute früh pünktlich meine Ergebnisse abgegeben. Und dann hörte ich von Ihnen: „Wurde aber auch Zeit.“

2. Die Gefühle: Wie geht es Ihnen damit?

Schildern Sie kurz und präzise, wie es Ihnen mit der Situation geht und welche Gefühle die Situation in Ihnen ausgelöst hat. Herr S. wird seine Verärgerung zum Ausdruck bringen, vielleicht auch seine Enttäuschung über die nicht vorhandene Wertschätzung seines hohen Arbeitseinsatzes und seines Engagements. Er könnte dann also sagen: „Ihre Reaktion enttäuscht mich, ich habe mich richtig geärgert."

3. Die Bedürfnisse: Was brauchen Sie?

Wenn Bedürfnisse in uns nicht erfüllt werden, entstehen negative Gefühle. Deshalb ist es wichtig, sich zu fragen, was brauche ich, was ist mir wichtig? Herr S. weiß schnell, dass ihm Anerkennung, Wertschätzung und Respekt wichtig sind. Diese Bedürfnisse wurden nach seinem enormen Arbeitseinsatz nicht erfüllt. Und dies kann er dem Chef auch so mitteilen: „Ich bin sehr enttäuscht, denn ich habe mich über das normale Maß hinaus engagiert. Ich möchte, dass meine Arbeit geschätzt wird und dass Sie mich respektieren.“

4. Die Wünsche: Wie soll es künftig laufen?

Die letzte wichtige Überlegung ist die Frage, wie eine solche Situation in Zukunft konkret für Sie aussehen soll. Hier weiß Carsten S. schnell, was er sagen möchte: " Ich wünsche mir für die Zukunft, dass Sie mich darüber informieren, was Sie genau von mir erwarten. Bitte informieren Sie mich, wenn Sie meine Projektergebnisse früher benötigen, um sie Ihrem Vorgesetzten präsentieren zu können. Und es ist mir auch wichtig, dass wir solche Gespräche in Ihrem Büro unter vier Augen führen und nicht vor allen Kollegen.“

Herr S. ist jetzt zufrieden, die klare Gesprächsstruktur mit den Ich-Botschaften entschärft den Konflikt. Er fühlt sich gut vorbereitet und ist zuversichtlich, ein gutes Gespräch mit seinem Chef führen zu können. Um in dieser Methode sicherer zu werden, will er in Zukunft vor Gesprächen kurz die vier Fragen schriftlich skizzieren. Und er ist sicher, dass er nun auch mit seiner Frau noch einmal gut über das durchgearbeitete Wochenende sprechen kann…

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