Berufliche Neuorientierung: Wenn Weitermachen nicht mehr stimmig ist

Sabine ist eine Frau, die viel bewegt. Menschen in ihrem Umfeld erleben sie als zupackend, zuverlässig und erfolgreich. Doch sie selbst spürt seit einiger Zeit, dass ihr bisheriger Weg nicht mehr richtig zu ihr passt. Nach außen funktioniert sie, innerlich sucht sie neue Orientierung. In diesem ersten Artikel zeige ich dir, wie Sabine sich auf ihr Coaching vorbereitet. Du findest außerdem Arbeitsblätter, die auch dir helfen können, deine Stärken, Erfahrungen und nächsten Ziele bewusster in den Blick zu nehmen.

Sabine sitzt am Sonntagabend am Küchentisch. Der Laptop ist noch offen, obwohl sie ihn schon vor einer Stunde zuklappen wollte. Auf dem Notizblock neben ihr stehen drei Stichpunkte, die sie in den letzten Wochen immer wieder notiert hat: Ruhe. Sinn. Mehr bei mir.

Am Montag wartet die nächste volle Woche mit Gesprächen, Entscheidungen, Rückfragen, Dingen, die alle wichtig sind. Sabine kennt das und weiß, was zu tun ist. Vielleicht irritiert sie gerade deshalb, dass sie sich trotzdem immer öfter fragt, ob sie so weitermachen möchte.

Es gibt keinen großen Knall. Nichts, was von außen sofort sichtbar wäre. Sie erledigt ihre Aufgaben, ist zuverlässig, denkt mit, hält vieles zusammen. Nur innerlich wird der Abstand größer. Ihre Aufgaben, das hohe Tempo, in dem ihre Wochen vergehen, passen nicht mehr zu ihr.

In den letzten Jahren hat Sabine viel übernommen. Im Beruf, in der Familie, in ihrem eigenen Anspruch an sich. Oft war sie diejenige, die den Überblick behalten hat, wenn andere unsicher wurden. Die eine Lösung gesucht hat, wenn etwas festhing. Die weitergedacht hat, bevor jemand fragen musste.

Jetzt merkt sie, dass ihre eigene Frage lauter wird:

Wie soll es für mich weitergehen?

Mit dieser Frage kommt Sabine zu mir ins Coaching.

Sie möchte innehalten und sortieren, was ihr heute wichtig ist. Sie möchte verstehen, welche Aufgaben ihr Kraft geben, welche sie müde machen und welche Stärken in den letzten Jahren vielleicht zu wenig Raum bekommen haben. Vor allem möchte sie herausfinden, welcher nächste Schritt zu ihrer jetzigen Lebensphase passt.

Der alte Weg ist nicht mehr der richtige

Menschen kommen nicht ins Coaching, weil alles plötzlich zusammenbricht. Häufig ist es viel leiser. Da ist ein Gefühl, das sich erst gelegentlich meldet und irgendwann immer deutlicher wird. Eine innere Unruhe. Eine Müdigkeit, die nicht nur mit Schlaf zu tun hat. Oder die Frage taucht auf, warum etwas, das lange gepasst hat, auf einmal so viel Kraft kostet.

Manchmal verändert sich die Arbeit, manchmal das private Leben. Manchmal hat sich über Jahre so viel angesammelt, dass der eigene Platz darin seinen klaren Ankerpunkt verloren hat.

Sabine bringt keine fertige Antwort mit. Sie weiß auch noch nicht, ob es um eine berufliche Veränderung geht, um andere Prioritäten, um mehr Abgrenzung oder um eine neue innere Haltung. Was sie spürt: Einfach weitermachen wird ihr nicht helfen.

Damit wir im Coaching nicht erst an der Oberfläche sortieren müssen, beginnt unsere Arbeit schon vorher. Ich gebe Sabine ein Vorbereitungsdokument mit, das sie in Ruhe ausfüllt. Es ist keine Aufgabe, die schnell nebenbei erledigt werden soll. Es ist eine Einladung, den Blick wieder auf sich selbst zu richten.

Fragen, die im Alltag oft keinen Platz haben

In der Vorbereitung beschäftigt sich Sabine mit Fragen, die im Alltag oft keinen Platz bekommen. Dort geht es meist darum, zu funktionieren, Entscheidungen zu treffen und erreichbar zu sein. In der Vorbereitung darf sie langsamer werden.

Sie schaut auf ihre Stärken, ihre bisherigen Erfolge und auf das, was ihr wichtig ist. Dabei geht es nicht darum, sofort eine Entscheidung zu erzwingen. Viel hilfreicher ist zunächst, ein klareres Bild von sich selbst zu bekommen.

Solche Fragen brauchen Zeit. Gerade deshalb ist die Vorbereitung so wertvoll. Sabine muss im Coaching nicht erst mühsam überlegen, was sie bewegt. Sie bringt bereits eigene Gedanken, Beobachtungen und erste Spuren mit.

Wenn du selbst gerade an einem Übergang stehst, kann dir dieses Arbeitsblatt ebenfalls helfen. Du kannst damit in Ruhe prüfen, welche Stärken und Erfolge du wieder bewusster nutzen möchtest, was dich im Moment beschäftigt und welche Richtung sich für deinen nächsten Schritt abzeichnet.

30 Stärken - 30 Erfolge - 30 Lebensdinge (Download-PDF)

Der Lebenslauf als persönliche Landkarte

Ein weiterer Teil der Vorbereitung ist Sabines Lebenslauf. Das klingt zunächst nach Bewerbung, beruflichen Stationen und Jahreszahlen. Im Coaching nutzen wir ihn anders. Er wird zu einer persönlichen Landkarte.

Denn der eigene Weg zeigt oft mehr, als wir im ersten Moment sehen. Welche Rollen hat Sabine übernommen? Wo wurde ihr Vertrauen geschenkt? Welche Aufgaben hat sie immer wieder angezogen? Wann war sie besonders präsent, wach oder motiviert? Und an welchen Stellen hat sie sich angepasst, obwohl innerlich etwas anderes wichtig gewesen wäre?

In Sabines Lebenslauf schauen wir unter anderem auf:

  • berufliche Stationen
  • Aus- und Weiterbildungen
  • besondere Aufgaben und Verantwortungsbereiche
  • Erfahrungen mit Führung, Zusammenarbeit oder Veränderung
  • Kenntnisse und Fähigkeiten
  • Interessen, die neben dem Beruf wichtig geblieben sind
  • Momente, in denen sie besonders wirksam war
  • Phasen, die sie geprägt oder verändert haben

Dabei interessieren mich nicht nur die offensichtlichen Erfolge. Manchmal liegt eine wichtige Erkenntnis in einer Aufgabe, die nie groß benannt wurde. Vielleicht hat Sabine immer wieder Ruhe in schwierige Situationen gebracht. Vielleicht konnte sie gut zwischen Menschen vermitteln. Vielleicht hat sie Strukturen geschaffen, wo vorher vieles unklar war. Vielleicht war sie oft diejenige, die gemerkt hat, was ausgesprochen werden müsste.

Solche Beobachtungen sind wertvoll, weil sie zeigen, was einem Menschen entspricht. Sie machen sichtbar, welche Stärken selbstverständlich geworden sind und deshalb leicht übersehen werden.


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Was sich wiederholt, zeigt oft eine Richtung

Wenn Sabine ihren bisherigen Weg bewusster anschaut, werden Zusammenhänge erkennbar. Es zeigt sich, welche Aufgaben sie wachsen lassen haben. Es wird deutlicher, welche Situationen ihr Energie geben und wo sie sich immer wieder verliert. Auch Werte werden sichtbar: Verlässlichkeit, Freiheit, Gestaltung, Sicherheit, Zugehörigkeit, Sinn, Selbstbestimmung oder Ruhe.

Diese Muster sind keine fertige Lösung, aber sie geben Orientierung.

Der Blick zurück hilft Sabine, den nächsten Schritt nicht nur aus Erschöpfung oder Druck heraus zu denken. Sie kann genauer unterscheiden: Was möchte ich wirklich verändern? Was darf bleiben? Was braucht eine neue Form? Und wo habe ich vielleicht mehr Handlungsspielraum, als ich im Alltag wahrnehme?

Zum Abschluss ihrer Vorbereitung bekommt Sabine einige Reflexionsfragen. Sie helfen ihr, die eigenen Gedanken noch einmal zu sortieren und Prioritäten sichtbarer zu machen.

Du findest diese Fragen im Arbeitsblatt. Du kannst es direkt ausfüllen und für deine eigene Orientierung nutzen.

5 Reflexionsfragen (Download-PDF)

Im nächsten Artikel: Was im Coaching daraus entsteht

Als Sabine schließlich zu mir ins Coaching kommt, ist schon viel in Bewegung geraten. Sie hat sich vorbereitet, Notizen gemacht, ihren Weg betrachtet und erste Zusammenhänge entdeckt. Dadurch können wir tiefer einsteigen.

Im nächsten Blogartikel nehme ich dich mit in diesen Coaching-Termin. Dort geht es darum, wie aus Sabines Gedanken ein klareres Bild entsteht: welche Stärken sichtbar werden, welche Werte für sie heute besonders wichtig sind und welche konkreten Schritte sie für die nächsten Monate daraus ableitet.

Denn Orientierung entsteht selten in einem einzigen großen Entschluss. Oft beginnt sie damit, dass wir genauer hinschauen, die eigenen Erfahrungen ernst nehmen und daraus den nächsten machbaren Schritt entwickeln.

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